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die ufo Galerie wird gefördert von der

Presseartikel

Kunst ermöglichen und nicht bewahren von Matthias Golinski 08.05.2009

Kreislers "Lola Blau von Helen Hahmann 14.07.2009

What!What! HalleForum 08.07.2009

Neue Galerien laden ein zur Showtime von Günter Kowa 08.05.2009

Ufos in schöner Stadt von Detlef Färber 08.05.2009

Malerei 11.04.2009

KULTURAUSSCHUSS von Peter Godazgar 11.04.2009

Auf der Spur des blutigen Wahnsinns von Detlef Färber 13.02.2009

Halle-Forum klub7

showtime Start mit Schulterschluss , Andreas Hillger, 15.10.2008

showtime Halles Galerien laden ein An diesem Wochenende bitten neue Kunsträume zu einem gemeinsamen Rundgang , Günter Kowa, 15.10.2008

Dong Chai Fotografische Blicke aufs ferne Vietnam , VON CLAUDIA CRODEL , 9.7.2008

das dritte Ohr Greisenalter im Fokus junger Kunst, Mitteldeutsche Zeitung, Oliver Seifert, 13.3.2008

Eröffnung und aufbau.OST,Städtischer Kaufladen für den Kunst-Konsum, Mitteldeutsche Zeitung, Günter Kowa, 3.3.2008

Eröffnung,ufo ist gelandet - Neue Galerie in der Kuckhoff-Straße , FRIZZ Halle, Sebastian Krziwanie,, 19.3.2008

Eröffnung,ufo landet in Adam-Kuckhoff-Straße, www.Halle-Forum.de, Steffen Sauer, 22.2.2008

Eröffnung,Außerirdisch , MZ-AHA, Stefan Schwarz, 20.2.2008

Kunst ermöglichen und nicht bewahren

Holger Neumaier ist Kunstunternehmer und Powerseller zugleich

von Matthias Golinski 08.05.2009

Ist er ein Außerirdischer? Zumindest ist er der Steuermann eines Ufo’s. Dieses landete Anfang 2008 mitten im Paulusviertel und verfolgt seitdem eine Mission. „Kunst als Intervention im urbanen Raum zu realisieren“ erklärt der UFO-Betreiber Holger Neumaier - 40 Jahre alt, verheiratet und zwei Kinder - das Konzept seiner Galerie, die ein Gegenentwurf zu den etablierten Galerien sein soll.
Doch eigentlich sieht er gar nicht aus wie von einem anderen Stern. Und irgendwie auch nicht wie ein Künstler. Eher wie jemand, der anpacken kann und Sachen durchzieht, anstatt nur darüber zu reden. Neumaier selbst sieht sich auch nicht als Künstler. „Ich bin Unternehmer im Kunstbetrieb. Ein Kunstermöglicher.“ sagt er. Wie der klassische Start-Up-Unternehmer sieht er tatsächlich nicht aus. Angefahren kommt der Galeriebetreiber mit einem alten Opel, seine Hände sind noch beschmiert mit Gips und Farbe. Gerade war er noch arbeiten auf einer seiner vielen Kunstbaustellen, diesmal im Volkspark. In Weimar bereitet er zur Zeit zusammen mit seiner Frau, die Schmuckkünstlerin ist, eine Galerie vor, in der ihre Kreationen an das etwas zahlungskräftigere Publikum dort verkauft werden soll. Halle schien den beiden dafür nicht das richtige Pflaster zu sein. In seiner UFO-Galerie basteln in der Zwischenzeit die Jungs von Klub7 an einer Ausstellung, die Abends eröffnet wird. Wenn Kunst ein Arbeitgeber wäre, dann hätten in Halle viele einen sicheren Arbeitsplatz. Doch leider bietet die Kunst oft nur viel Arbeit, aber wenig Sicherheit. Nicht unklug ist es da von Holger Neumaier gedacht, sein Geld neben den Kunstprojekten mit einem eher konventionellen Business zu verdienen. So ist Holger Neumaier seit Jahren Powerseller bei Ebay und vertickt Leuchtmittel. „Ein Konzept, das ich jedem empfehlen kann. Jeder Künstler sollte nebenbei einen Onlineshop betreiben, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen.“ rät er und scheint mit der Lösung sehr zufrieden zu sein. „So kann ich meine Kunstsachen machen ohne den ständigen Druck des Geldverdienens dabei zu haben“. Sein Vater hatte einst einen Kaufmannsladen, vielleicht kommt daher auch sein unternehmerischer Geist.
Geboren wurde Holger Neumaier im Schwarzwald, wo es ihn in seinem „Kuhdorf“ Haslach schon bald in die Stadt nach Freiburg zog. Dort verbrachte er erst einmal viel Zeit mit allen Arten von Jobs. Natürlich auch mit Taxi fahren. Er absolviert eine Keramikausbildung in Landshut und beginnt mit 30 Jahren das Studium der Keramikkunst an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle. Schon bald wechselte er aber zur Medienkunst. „Ich wollte lieber freiere Sachen machen“ sagt er. So zum Beispiel initiierte er noch während des Studiums die Fussballausstellung „Kunstrasen“, die zwei Jahre später Teil des offiziellen Rahmenprogramms der Fußball-Weltmeisterschaft wurde. Auch mit seiner Abschlußarbeit „Schöne Arbeit“ lenkte er das bundesweite Medieninteresse auf seine Wahlheimatstadt Halle. Die Konferenz und die Ausstellung beschäftigte sich mit den ökonomischen Bedingungen von künstlerischer und kultureller Arbeit und warf die Frage auf, ob es jungen Künstlern heute gelingt, den Beruf auch in eine ökonomisch tragfähige Existenzform zu überführen. In Halle zumindest, so meint Holger Neumaier, sei das vergleichsweise schwer. Er selbst gründete  nach dem Studium das Kunstbüro „Frühtau“ und schaffte es bis heute, seine Kunstaffinität zum Beruf zu machen. Eine gute Zusammenarbeit gibt es mit der Kunststiftung, die seine Galerie fördert. Doch von seiner eigenen Hochschule hat er in Sachen Unterstützung mehr erwartet.
„Diese Stadt hat Angst vor Veränderung, betreibt kulturelle Bestandsbewahrung. Leute, die etwas bewegen und nicht nur ihren Händel promoten wollen, werden immer weniger in der Stadtverwaltung“ sagt er. So bedauert er z. Bsp. das Weggehen der Kulturmanagerin Carola Schneider. Auch Christian Hirte vom Stadtmuseum, ein sehr guter Mann, wurde von seinen eigenen Mitarbeitern weggewünscht, weil er zu unkonventionell dachte. Das alles sind für Holger Neumaier keine guten Zeichen. Und so hört man aus seiner Stimme eine gewisse Halle-Müdigkeit heraus. Nur zu verständlich ist da die tendenzielle Umorientierung nach Weimar für die Zukunft. Es wird wohl, wie bei so vielen guten Leuten, die in Halle etwas bewegt haben. Sie werden irgendwann gehen. Und erst wenn sie nicht mehr in der Stadt sind, merkt man, dass etwas fehlt. Und dass die Bestandsbewahrer es wieder geschafft haben.



Mit einer aktualisierten Version von Kreislers "Lola Blau" gewinnen Ulrike Kleint und Michael Stolle beim Festival "Kulturreederei" einen Preis und die Publikumsgunst.

Aufmüpfige Liebeserklärung an Halle
VON HELEN HAHMANN
HALLE/MZ - "Meinen Sie, es ist leicht?" - Die junge Frau mit rotem Mund packt ihren schwarzen Koffer aus, der mit den Plaketten "Paris", "London", "Milano" und "Halle" beklebt ist. "Meinen Sie, es ist schwer?" - Schminktäschchen, Zeitung und eine Flasche Alkohol stellt sie auf den kleinen Garderobentisch im schäbigen Hinterzimmer einer Theaterbar. "Weder noch, glauben Sie mir!" - beteuert Ulrike Kleint in Georg Kreislers "Lola Blau" - und macht sich dabei zurecht für ihren Auftritt.
Als die junge hallesche Sängerin und Sprechwissenschaftlerin Georg Kreislers "Ein-Frau-Musical" aufgriff, ging es ihr nicht darum, die Story aus dem Jahr 1938 zu erzählen. Die talentierte junge Frau nutzt die Rahmenhandlung nur als Vehikel für Aktuelles und Hiesiges. Als Lola Blau sieht sie nämlich einem Engagement in Halle entgegen. Dann ein Anruf auf dem Handy - das Büro des Direktors. Ihr wird erklärt, dass Sparzwänge herrschen, Stücke gestrichen und Theater fusioniert wurden und weniger Schauspieler gebraucht würden. Lola Blau will ein Gespräch, wird abgewimmelt und lässt sich dann doch die Abendunterhaltung in der Theaterbar andrehen.
Als sie die Bühne der Bar betritt, ist es ein anzüglicher Gossenschlager, der ihr über die Lippen kommt. Verführerisch. Glamourös. Recht zweideutig das Mikro in den Song einbeziehend. Die Staffage baut Lola Blau selbst auf und wieder ab. "Wie im richtigen Kulturleben", meinte Ulrike Kleint vor ihrer Premiere beim Festival "Hallesche Kulturreederei". Und dann zeigte sie gleich in den ersten Minuten die beiden Seiten des Künstlerdaseins. Ihr gelingt das Kokettieren auf der Bühne, und in den Garderobenszenen gelingt ihr eine großartige, schauspielerisch überzeugende Art von Melancholie.
Auf der einen Seite reflektiert das Stück die vielleicht naive, aber bedingungslose Aufopferung für einen Traum, auf der anderen zeigt es strukturelle Gegebenheiten, die es dem Künstler seit eh und je schwer machen, sein Leben zu bestreiten. Die Chansons begleitet Michael Stolle, der Pianist und Dirigent an der Oper ist. Er bereichert durch seine Versiertheit das Programm. Und Stolle spielt im Stück gleichzeitig den Pianisten "am Rande". Von Lola Blau konsequent übersehen, schildert er ein ganz eigenes Dilemma.
Ulrike Kleint bewarb sich mit dieser Neuinszenierung von Kreislers "Lola Blau" erfolgreich um den Förderpreis des Vereins "Mitbürger". Hatte sie ihr Stück doch als "Liebeserklärung an Halle" eingereicht. Diese "Lola Blau" ist ein emanzipiertes Stück, mit kritischem Grundtenor, bewegender Chansonmusik und einer Prise Aufmüpfigkeit. Applaus!
Zu sehen in Halle am 15./23./29. August in der Ufo-Galerie.



"Feeling of a fancy cake battle"

Ufo-Galerie in Halle zeigt Schau des Labels "What! What!" HalleForum

Fotografien, Grafiken, Zeichnungen, Musik - das alles verbindet die neue Ausstellung "Feeling of a fancy cake battle", die am Freitagabend in der ufo-Galerie in der Adam-Kuckhoff-Straße in Halle (Saale) Premiere feiert. An den Wänden die Bilder - und dazu zur Eröffnung ein Remix-Contest.

Im Rahmen der Ausstellung gibt's außerdem am 25. Juli Techno im öffentlichen Raum. Am 2.August heißt es "Sounds Like Tags On Toiletdoors" Lowskii (live) sowie Kino Kid Cash. Und am 9. August ist Finissage mit einer Remixshow.

Das angesagte hallesche Label What! What! Records besteht nun seit einem Jahr. Die Ausstellung in der ufo Galerie gibt einen Einblick in das Gesamtkunstwerk What! What!. Zu sehen sind Fotografien, Filme, Zeichnungen, räumliche Inszenierungen von Objekt- bzw. Wandgestaltungsarrangements in Verbindung mit natürlich akustischen Elementen. Diese Sammlung soll zu einer audio-visuellen Welt verschmelzen und in ihrer Gesamtheit das Image des Musiklabels illustrieren. Desweiteren entsteht innerhalb der Ausstellung eine WHAT! WHAT! - RADIOSHOW welche während der Ausstellung exklusiv vor Ort präsentiert wird und später über Radio Corax und andere Radiosender hinaus in die Welt gesendet wird. Es gibt zwei Termine, wo Techno und öffentlicher Raum thematisiert werden. Zur Finissage werden die Ergebnisse des Remixcontests präsentiert.



LANDES-KUNSTSTIFTUNG Die geförderten Projekte präsentieren sich am Samstag gemeinsam und ziehen schon mal Bilanz.

Neue Galerien laden ein zur Showtime
VON GÜNTER KOWA
HALLE/MZ - Es ist wieder "Showtime" für die jungen Produzentengalerien in Halle, die derzeit noch von der Kunststiftung des Landes gefördert werden. Im Rundgang am Samstag (siehe "Fünf Stationen") vernetzen die Kunst-Orte, die sich einer einheitlichen Definition zunehmend entziehen, ihre laufenden Ausstellungen, von denen drei erst jüngst eröffnet wurden. Möglich ist dabei übrigens auch diesmal die Teilnahme an geführten Touren. Darüber hinaus bekommt man auch die beteiligten Künstler bei Gesprächen zu Gesicht.
"Diese geballte Kreativität kann mal Halles Standortvorteil werden.
Manon Bursian
Landeskunststiftung
Junge Künstler stehen wie immer im Vordergrund - aber ausgerechnet die von Holger Neumeier ideenreich geführte "Ufo"-Galerie präsentiert dieser Tage zur Abwechslung mal einen etablierten halleschen Künstler, der in seiner Heimatstadt freilich seit langem nicht mehr ausgestellt hat. Thomas Blase, in der abstrakten Malerei zu Hause, überrascht wiederum sein Publikum mit Arbeiten, die im lichten, fast schwebenden Kolorit und in deutlich strafferer, rhythmisierter Komposition das oft Unbeherrscht-Explosive seines früheren Werks hinter sich lassen (ein Gespräch mit ihm gibt es um 18 Uhr).
"Dieschönestadt" - geführt von einem Verein - überlässt anders als sonst ihren Hauptraum einer Einzelpräsentation mit dem Titel "Safari". Die gebürtige Hamburgerin und jetzige Stipendiatin der Kunststiftung, Uta Siebert, zeigt ins Psychologische weisende Zeichnungen (Gespräch: 16 Uhr). Im neu eröffneten "Showroom" allerdings sind Arbeiten von neun verschiedenen Künstlern zu sehen. Der Name des Leipziger Meistergrafikers und erst kürzlich emeritierten Hochschullehrers Ulrich Hachulla strahlt auch in Halle hell genug, um Interesse an Arbeiten von neun seiner Meisterschüler zu wecken. "Raum Hellrot" zeigt sie in gewohnt karger Umgebung und mit sehr verschiedenen Ansätzen, die hohe technische Versiertheit mit thematischer Experimentierfreude verbinden (Gespräch: 15 Uhr).
Das alte Gemäuer der Neuen Residenz reizt die Initiatoren des "Forums für zeitgenössische Keramik" stets aufs Neue, ihre vom Kunsthandwerk emanzipierten Objekte in Kontrast zu setzen. Die plastischen Arbeiten der Berliner Keramiker Kaja Witt und Thomas Hirschler sind wieder in diesem Sinne inszeniert, wobei Witt das Thema "Haut" beleuchtet, während Hirschler mit scheinbarer Alltäglichkeit verwirrt. (Gespräch ab 13.30 Uhr).
"Archcouture" schließlich schert mit dem Schwerpunkt Architektur aus der Bandbreite der Galerien aus - doch es sind eher künstlerische Aktionen, die mit der neuen Ausstellung in den Galeriekontext gestellt werden. Die Protagonisten des "Grashalminstituts", die mit ihrer ganz eigenen "sozialen Plastik" seit Jahren durch die Lande ziehen, machen neugierig unter anderem auf "Rasenmäherzeichnungen". Das Gespräch beginnt hier um 16.30 Uhr.
Im Vorfeld der gemeinsamen Ausstellungsaktion hatten Galeristen und Kunststiftung schon mal ein bisschen Bilanz gezogen - auch über den Förderzeitraum, der für einige in diesem Jahr endet. Stiftungs-Direktorin Manon Bursian ist mit dem bisherigen Verlauf zufrieden und hofft, dass die Chancen der Anschubfinanzierung genutzt werden. Auch für Halle sei es eine Chance, wenn sich die neuen Galerien etablieren, so meint sie: "Diese geballte Kreativität kann, ja muss für Halle zum Standortvorteil werden." Kommentar, Seite 10
RUNDGANG
Fünf Stationen

Am Samstag in der Zeit von 12 bis 20 Uhr führt der zweite Galerierundgang, der unter dem Motto "Showtime" steht, über insgesamt fünf Stationen: "Ufo -Galerie und Kunstraum" in der Adam-Kuckhoff-Straße 30, "Raum Hellrot" im Mühlweg 22 (Eingang Bernburger Straße), die Galerie "Die Schönestadt" (Am Steintor 19), das Forum für zeitgenössische Keramik in der Neuen Residenz am Domplatz und die "Galerie für den zeitgenössischen Raum" namens Archcouture (Große Ulrichstraße 27). Eine gemeinsame Aftershow-Party steigt bei "Ufo" ab 21 Uhr.



Ufos in schöner Stadt


DETLEF FÄRBER
findet, dass Halle noch viel stärker mit dem Pfund seiner jungen Kunst wuchern müsste.
Der Name war zwar Programm - aber auch leise Befürchtung. Denn eine Galerie, die Ufo heißt und ein bisschen wie von unbekannten Umlaufbahnen daherkommt, geht mit jeder Landung ein Risiko ein. Wird das Ufo mehr bestaunt oder beargwöhnt und -entscheidende Frage - trauen sich auch ausreichend Außenstehende an Bord?
Für "Ufo" und die anderen jungen halleschen Galerien, die derzeit gleichzeitig von der Landeskunststiftung gefördert werden, ist diese Frage auch im zweiten Jahr ihres Bestehens noch nicht beantwortet. Und auch ob diese "Schönestadt" - so ein anderer Galeriename - wirklich ein schöner Ort für so viele junge Künstler werden kann.

An Ideen, an Einsatz und auch am langen Atem der Akteure, die nach ihrem Abschluss an der Burg in Halle geblieben sind, hat es jedenfalls bislang nicht gemangelt. Gefehlt hat es an genügend Hallensern, die sich auf die Show der jungen Wilden einlassen, die ihre Kunst anschauen und gelegentlich kaufen. Und es fehlt noch ein bisschen an Ideen von Seiten der Stadt, wie man mit diesem Pfund an Kreativität mal so richtig wuchern könnte.



Gleich in mehreren Galerien ist derzeit hoffnungsvolle hiesige Kunst am Start.

Hallesche Maler kompakt gezeigt
HALLE/MZ - Nicht immer kommen sie in der Heimat in ausreichendem Maße zum Zuge - getreu dem Motto, dass der Prophet im eigenen Land wenig gilt. Doch derzeit sind in halleschen Galerien wiedermal einige der talentiertesten Kreativen der Stadt gleichzeitig in neu eröffneten Ausstellungen am Start. So hat etwa der Maler Jens Günther - den viele, trotz seines halleschen Studienplatzes, eher der Leipziger Schule zurechnen - eine eigene Schau beim Kunstverein "Fünf Sinne" (Lerchenfeldstr. 15).
Nachdem er zuletzt mit sehr bewegten Bildern in einer Schau in der Commerzbank auf sich aufmerksam gemacht hatte, lässt er es mit einer Präsentation von Stillleben nun eher ruhig angehen. Die Brücke vom Gemälde zur Mischtechnik und ins Textile schlägt Kathrin Röder, die gestern Abend bei Zeitkunst (Kl. Marktstr. 4) Vernissage gefeiert hat. Und in der Ufo-Galerie (Adam-Kuckhoff-Str. 30) freut man sich über ein Wiedersehen mit Thomas Blase, dessen eindrucksvolle Farbgewitter schon längere Zeit nicht mehr in Halle zu sehen waren.
Zu den "jungen Wilden" von der Burg, von denen man sich viel verspricht, zählt Robin Zöffzig. Für ihn gab es bereits letzte Woche eine Vernissage - nicht im Kunstraum einer Galerie, sondern sozusagen im prallen Leben. Die Fortuna-Bar in der Großen Ulrichstraße 41 bietet Gelegenheit, in lockerer Atmosphäre die Kunst dieses verheißungsvollen Malers in aller Ruhe in sich aufzusaugen.



KULTURAUSSCHUSS

Steht auch die Villa Kobe vor dem Aus?

Die Luft wird dünner für die Galeristen
VON PETER GODAZGAR
HALLE/MZ - Übernimmt der Hallesche Kunstverein die Trägerschaft der Domplatzgalerie? Galeriechef Wolfgang Zeiner sieht darin eine "Chance" - Vereinschef Hans-Georg Sehrt hält die Idee für kaum umsetzbar. Derzeit ist der Berufsverband Bildender Künstler Sachsen-Anhalt Träger der chronisch unterfinanzierten Räume.
Bereits im Kulturausschuss hatte Sehrt Zeiners Ausführungen mit Kopfschütteln begleitet. Auf MZ-Nachfrage sagte der Kunstvereinschef: "Wir haben unsere Ausstellungsorte und damit kommen wir hin." Der "Pferdefuß" sei doch: "Es gibt keinerlei Garantie, dass die Galerie in Zukunft finanziell unterstützt wird. Wir sind nicht bereit, das Vorhandene für eine unsichere Zukunft aufzugeben."
Seinen Vorschlag unterbreitete Zeiner während der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses -neben Zeiner und Sehrt stellten auch andere Galeristen und Vereinschefs ihre Arbeit vor. Grundtenor: Die Luft ist dünn - und sie wird immer dünner.
Ein düsteres Bild
So zeichnete auch Jens-Holger Göttner vom Vorstand des Vereins "Kunst Halle" ein düsteres Bild der Zukunft der Villa Kobe (Philipp-Müller-Straße): In den vergangenen Jahren seien diverse Zuschüsse sowie Sponsoren weggefallen; der weitaus größte Teil der jährlichen Unkosten in Höhe von rund 60 000 Euro sei inzwischen bei Vorstandsmitglied Michael Kobe "hängen geblieben". Und der überlege durchaus, "ob er den Ausstellungsbetrieb in dieser Form weiterführen wird", sagte Göttner.
Die Direktorin der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt, Manon Bursian, stellte das Projekt "rent a gallery" vor, mit dem die Galerie "dieschönestadt", der Raum Hellrot und die Ufo-Galerie gefördert werden. "Das trägt dazu bei, dass junge Leute sich hier wohlfühlen", sagte Ufo-Chef Holger Neumaier. Allein, die Förderung läuft aus. "Wir wollen aber auch danach weitermachen", sagt Neumaier tapfer. Sein bescheidener Wunsch: Ob die Stadt die Galerien wenigstens mit Plakaten an Litfaßsäulen unterstützen könne?
Auf sicheren Beinen
Auf vergleichsweise sicheren Beinen steht der Kunstverein Talstraße, der sich sogar mit dem Gedanken an einen attraktiven Erweiterungsbau trägt (die MZ berichtete). Die Änderung des B-Plans sei bereits genehmigt, teilte der stellvertretende Vereinsvorsitzende, Hans-Gerd Kleymann, mit. Außerdem wurde das Projekt nun auch in die "Wunschliste" für das Konjunkturprogramm aufgenommen.



Auf der Spur des blutigen Wahnsinns

Preis der Sparkasse: Die Auszeichnung fürs beste Diplom der Burg geht an Bildhauer Robert Kunec

VON DETLEF FÄRBER, 13.02.09, 20:04h, aktualisiert 15.02.09, 21:04h
Robert Kunec
«Suicide bomber» heißt die Arbeit von Robert Kunec, die zum besten diesjährigen Kunst-Diplom der Burg gekürt wurde. (FOTO: ANDREAS STEDTLER)

HALLE/MZ. Junge Künstler sind gute Seismographen. Intensiver und eher spüren sie Erschütterungen des Weltgleichgewichts. Wenn etwa Kriege sich verstetigen und Wahnsinn - blutiger Wahnsinn - zur Normalität avanciert, sind sie oft die ersten, die das angemessen thematisieren. Während etablierte Künstler derzeit noch eher dazu neigen, dem verrinnenden Spaßzeitalter ein paar ultimative Pointen hinterherzuschicken, wird es bei den Jungen nun schneller ernst - und damit relevant.
Diese Relevanz mit Blick auf den Ernst der Weltlage hätte wohl fast allein schon genügt, um die Arbeit von Robert Kunec für den am Freitag zum zweiten Mal vergebenen Kunstpreis der Sparkasse zu favorisieren. Der junge Bildhauer mit frischem Burg-Diplom hat die Kriege und den Terror an den Schnittstellen zwischen Islamismus und Abendland zum Gegenstand gleich mehrerer seiner durchweg eindrucksvollen Arbeiten gemacht.
Die Polyester-Plastik "Suicide Bomber" (Foto) stellt eine Art Bastelsatz für Selbstmordattentäter dar. Das Werk verfolgt die Blutspur des Terrorismus zurück zu den technischen, ja spielerischen Ansätzen derer, die irgendwann zu Tätern werden. Dagegen steht eine Installation, die eine große USA-Fahne zeigt, die von einem drillichfarbenen Bügeleisen geglättet werden soll - ein Vorhaben, das hier augenscheinlich nicht gelingen will. Und schließlich hat der 30-jährige Burg-Absolvent, der aus dem slowakischen Bardejov stammt, noch kurz vor der am Sonntag beginnende Preisträger-Schau im Kunstforum zwei je auf ihre Art erschütternde und einprägsame Täteropfer-Darstellungen großen Kalibers nachgeliefert: Einen Totentanz in einer raumgreifenden Mischung aus Sarg und Spieldose mit arabischer Beschriftung und - als rein figürliche Plastik - eine massakrierte Gestalt, die irgendwie eine Mischung zu sein scheint aus einem toten Taliban-Kämpfer und einem Christus nach der Abnahme vom Kreuz. Die Bedeutung dieses Preises der Sparkassenstiftung für die Hochschule hob deren Rektor Ulrich Klieber in einer kurzen Rede hervor: "So ein Preis bringt Reputation, Präsenz durch Präsentation - und Geld". Und dieses Geld, so Klieber, verschaffe den Künstlern Zeit - zumindest Zeitaufschub.
All das brauchen zweifellos auch jene drei Künstler, die von der Jury mit Anerkennungspreisen bedacht und in der Preisträger-Schau nun auch vorgestellt werden. Andreas Köppe verknüpft mit seiner Arbeit "Der textile Raum" jeweils zwei Stadtbilder, die - je nach Blickwinkel des Betrachters - alternieren. Johannes Nagel überzeugt laut Jury "mit komplexen keramischen Entwicklungsreihen", und Jule Claudia Mahn schließlich gelingen mit ihrer Arbeit "Sichtvermerke" gleich zwei Brückenschläge: Einer zwischen Grafik, Buchkunst und Literatur und einer, der nach Osten, ins Baltikum führt. Ergebnis ist eine zugleich bedrückende und beglückende Zeitreise, bei der das Büchlein namens Pass zu einem vielschichtigen Kunstobjekt wird.

Die Schau wird Sonntag, 15 Uhr, im Kunstforum der Sparkasse (Bernburger Straße 8) eröffnet und läuft bis 8. März (Eintritt frei). Geöffnet von dienstags bis freitags 14-19 Uhr, Wochenende 11-17 Uhr. Die Robert-Kunec-Ausstellung in der "Ufo"-Galerie (Adam-Kuckhoff-Straße 30 - bis 8. März) ist mittwochs bis sonntags, 14-18 Uhr zu sehen.



Auf den Punkt kommen ...

von Halle-Forum, 26.12.2008

Interview mit Christian Heinicke, Mitglied der Künstlergruppe klub7, zur Eröffnung ihrer neuen Ausstellung „better get straight to the point“ in der UFO Galerie

Halle/Halle-Forum.(tof) Sie gehören zu den Pionieren der Streetart-Bewegung in Halle (Saale) und sind darüber hinaus seit einigen Jahren auch prägender Bestandteil der hiesigen Musik- und Klubszene. Doch vor allem galten sie lange Zeit als das regional verankerte Spiegelbild einer neuen urbanen Subkultur. Als der lokaler Gradmesser einer heterogenen Entwicklung postmoderner Kunst im öffentlichen Raum. Seit nunmehr 10 Jahren ist die sechsköpfige Künstlergruppe klub7 immer wieder bestrebt mit ihren Graphiken, Illustrationen und Graffiti nicht nur urbanen Räumen in Halle ein neues Gesicht zu verpassen sondern vor allem zu verdeutlichen, dass Street-Art keine definitorischen Grenzen kennt und gerade das Wandeln zwischen verschiedenen Stilen und Techniken den Reiz ihrer Kunst ausmacht. Unter diesem Motto steht in gewisser Weise auch die neue Ausstellung „better get straight to the point“ der „7er“, die verschiedenste Projekte und Ausstellungsstücke beinhaltet. Zur Vernissage am gestrigen Donnerstagabend hatte HalleForum.de die Möglichkeit mit Christian Heinicke, einem Mitglied von klub7, über die neue Ausstellung, das Leben als Künstler und die Zukunft der Gruppe zu sprechen.

HalleForum.de: Christian, eure neue Ausstellung zum 10-jährigen Jubiläum trägt den Namen „better get straight to the point“. Was hat es damit auf sich?

Christian Heinicke (klub7): In der Kunst ist es wichtig auf den Punkt zu kommen, einen künstlerischen Ansatz zu finden nachdem sich das Schaffen ausrichtet. Man könnte sagen der Titel ist auch ein wenig eine Forderung an uns selbst mal auf den Punkt zu kommen, besser gesagt noch mehr voranzukommen.

HalleForum.de: Aber ist nicht gerade die Vielfalt eurer Tätigkeitsbereiche, das Spielen mit alten Versatzstücken und neuen Impulsen euer Markenzeichen?

Christian Heinicke (klub7): Sicherlich. Es wurde schon oft von den Medien versucht uns in die Street-Art-Schublade zu stecken. Wer uns aber kennt und sich die Ausstellung anschaut, wird sehen, dass sich unser Aktionskreis nicht auf Graffiti und Urban-Art beschränkt. Wir sind eine Gruppe von Graphikern, Designern,Musikern und VJ's, die zwar von der Street-Art-Bewegung geprägt sind, sich aber auch weiterentwickelt und emanzipiert haben. Unsere Grundlage sind nicht mehr nur Häuserwände. Wir gestalten T-Shirts, Taschen, Homepages, Wohnungen und Innenräume von Läden. Wir malen, zeichnen, photographieren und musizieren. Das Spektrum hat sich über die Jahre merklich erweitert.

HalleForum.de: Klingt nach einer Art Lebensphilosophie. Euer Stil ist sehr bunt und lebendig, oft auch ein wenig schrill, ebenso wie die Musik, die ja sehr elektronisch orientiert ist. Viele Kulturkritiker würden euer Schaffen als typisch für die Postmoderne bezeichnen, in der es nicht mehr um Inhalte, sondern nur noch um Formen und ausschweifenden Hedonismus geht. Verfolgt ihr mit eurem Tun auch einen gesellschaftskritischen Ansatz?

Christian Heinicke (klub7): Sicherlich ist es richtig, dass unsere Bilder oder Illustrationen oft eingeebnet sind ein gewisses Verständnis und Lebensgefühl, was man platt als Spaßgesellschaft bezeichnen könnte. Ich denke aber das ist zu kurz gegriffen. Eines meiner Hauptmotive sind Menschen mit hängenden Köpfen, ein klarer Antagonismus zur Partygesellschaft. Und die Illustrationen mit den Tortenschlachten und den dicken Menschen, die in der Ausstellung zu sehen sind, lassen ja auch Raum für eine kritische Interpretation. Wir sind bestimmt keine politischen Künstler, aber gewisse Aspekte kritisch zu beäugen ist eine Intention, die wir in unserem Schaffen kontinuierlich verfolgen.

HalleForum.de: In letzter Zeit ist es euch gelungen auch über Halle und die Region hinaus verstärkt Fuß zu fassen. Gleichzeitig kann man beobachten, dass viele von euch auch in mehreren Nebenprojekten tätig sind. Ein paar wohnen ja auch nicht mehr in Halle. Wo soll es hingehen mit klub7 in den nächsten Jahren?

Christian Heinicke (klub7): Wir haben uns immer als eine heterogene aber loyale Gruppe verstanden. Wir sind mehr als nur eine Vereinigung von Künstlern. Wir sind Freunde. Von daher denke ich, dass klub7, trotz verschiedener Nebenprojekte, Bestand haben wird. Gerade die letzten zwei Jahre waren sehr erfolgreich. So waren wir unter anderem in Norwegen und der Schweiz unterwegs und haben unsere Zusammenarbeit mit Leuten aus Berlin ausgebaut. Darüber hinaus befruchten wir uns als Gruppe gegenseitig, pushen uns zu neuen Ideen und haben nebenbei noch eine Menge Spaß zusammen. Was ein wenig fehlt ist die Effizienz, denn von Idealismus und Spaß allein können wir natürlich nicht leben. Deswegen sind wir dabei unsere Strukturen zu professionalisieren. Dies geschieht einerseits durch die Gründung von What! What! Records im musikalischen Bereich, an dem aber nur ein Teil von uns beteiligt ist, und andererseits durch die Installation eines zentralen klub7-Büros in Berlin zu bessere Koordinierung für Fragen wie Ausstellungen, Auftragsarbeiten oder PR.

HalleForum.de: Klingt sehr ambitioniert.

Christian Heinicke (klub7): Ist es auch. Als freischaffender Künstler kannst du nur überleben, wenn du gut organisiert bist. Und irgendwann hat man ja auch höhere Ansprüche. Ich möchte später natürlich eine Familie haben und in einer schönen Wohnung wohnen. Das geht als Künstler nur, wenn man systematisch und eben auch marktorientiert arbeitet. Klar muss es Spaß machen. Das allein reicht aber irgendwann nicht mehr.

HalleForum.de: Verständlich. Noch eine letzte Frage. Neben dir, besteht klub7 noch aus fünf anderen Leuten. Fünf und eins macht aber nur sechs. Gibt es einen besonderen Grund, dass ihr euch klub7 nennt?

Christian Heinicke (klub7): Den gibt es eigentlich nicht wirklich. Sieben ist unsere Lieblingszahl. Unsere kosmische Zahl sozusagen. Es ist die Zahl an die wir glauben (lacht).


Die Ausstellung „better get straight to the point“ kann noch bis 23.12.2008 in der UFO Galerie besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.





Start mit Schulterschluss

von Andreas Hillger, 15.10.2008

Halle/MZ. Jahrelang haben die bildenden Künstler der Stadt Halle in einer Mischung aus Ehrfurcht und Neid auf das benachbarte Leipzig geschaut. Was sich dort im Dunstkreis der Hochschule für Grafik und Buchkunst unter dem Etikett der "Neuen Leipziger Schule" entwickelte, schien für die Dozenten und Studenten der traditionsreichen Akademie Burg Giebichenstein schier unerreichbar - eine vitale, lokal verwurzelte und global vernetzte Galerien-Szene, die in einer ehemaligen Baumwollspinnerei schließlich sogar den passenden Ort für einen gemeinsamen Auftritt fand. Nun aber ist - unter tätiger Mitwirkung der Landeskunststiftung und ihres Programms "Rent a Gallery" - plötzlich ein Geflecht von Kunsträumen in Halle entstanden, das der sächsischen Konkurrenz künftig Paroli bieten will. Zwar fehlt es Halle bislang an Stars mit internationalem Marktwert, ohne die eine Galerie auf Dauer kaum überleben kann. Und weil dieser Mangel reine Makler wie den Leipziger Stargaleristen Gerd Harry Lybke offenbar abschreckt, füllen die Produzenten - also die Künstler selbst - die Lücke. Dass sie den schweren Weg zum Erfolg im Schulterschluss gehen wollen, lässt hoffen.





Halles Galerien laden ein

An diesem Wochenende bitten neue Kunsträume zu einem gemeinsamen Rundgang
von
Günter Kowa, 15.10.2008

HALLE/MZ. Die jungen Produzentengalerien und Kunsträume der Stadt Halle laden am Sonnabend erstmals zu einem gemeinsamen Rundgang ein. Beteiligt sind die Ufo-Galerie, das Forum für Malerei, das Forum für zeitgenössische Keramik, "dieschönestadt", Raum Hellrot sowie die neu gegründete Architekturgalerie "archcouture". Als Gäste beteiligen sich die HO-Galerie aus Magdeburg und der Kunsthof Halberstadt.
Sichtlich aufwendig mit Plakaten und Handzetteln allerorten wirbt die Kunststiftung des Landes für den ersten "Rundgang" zu den "Produzenten-Galerien" in Halle - nebst zwei weiteren aus Magdeburg und Halberstadt, die sich als Gäste anschließen. Am Sonnabend also hat das Publikum bis spät in den Abend hinein Gelegenheit die wundersame Verjüngung der in Halle (und im Land) lange eher statischen Galerienszene zu betrachten - und auch noch der Geburt des neuesten Zuwachses, der Architekturgalerie "Archcouture" in Halles Großer Ulrichstraße, beizuwohnen.
Klamme Zuversicht
Ob die Szene auch ohne das Zutun der Stiftung zu solch plötzlichem Aufbruch gefunden hätte, ist schwer zu sagen - die Unzufriedenheit der "Burg"-Absolventen über ungenügende Ausstellungsmöglichkeiten am Ort ihrer Studienwahl ist lange bekannt. Jedenfalls bekommen die sechs Galerien in der Stadt sowie die beiden anderen seit diesem Jahr eine Anschubförderung zwischen 10 000 und 15 000 Euro mit Option auf maximal ein weiteres Jahr. Und genau da stellt sich für die Beobachter die Frage nach der Nachhaltigkeit.
Unter den Beteiligten gibt es bisher noch wenige, die diese Frage aus eigener Erfahrung beantworten können. Zuversicht, wenn auch ein wenig klamm, übt die gebürtige Hallenserin und Möhwald-Schülerin Babette Weidner. Der Herausforderung eines "selbstverwalteten Ausstellungsraumes" hat sie sich schon vor sechs Jahren gestellt, als sie im Universitätsviertel ihr "Forum für Malerei" gegründet hat.
Das ist schon vom ersten Eindruck her ein gepflegtes, der klassischen Malerei gewidmetes - nicht zu sagen geweihtes - Ambiente. Nur ein Vorhang aber trennt das eigene Atelier der Künstlerin ab - in dem sie in Sieben-Tage-Woche ihre Doppel-Rolle als Produzentin und Galeristin selbstausbeuterisch ausübt. Denn das "Forum" ist ein Kind (so nennt sie es selbst) ihres Idealismus und nimmt mit dem Zuschuss der Stiftung erst jetzt öffentliche Förderung in Anspruch. Da liegt der Antrieb eindeutig woanders: in dem Willen, noch unvermarkteter, anspruchsvoller Malerei Öffentlichkeit zu verschaffen, und das mutigerweise in Halle, wo sie hofft, ein neues, kunstinteressiertes Publikum zu erschließen.
Vermutlich ist sie sich einig mit ihren Kollegen von "Raum Hellrot", "Ufo", "Die schöne Stadt", "Forum für zeitgenössische Keramik" und nun auch "archcouture", dass ein Erfolg - den niemand garantieren kann - letztlich aber vom Zusammenspiel von lokaler und überregionaler Wahrnehmung abhängt.
Das ist auch dem Team von "archcouture" klar. Hervorgegangen unter anderem aus dem Büro "complizen" (bekannt für Aktionen wie Hochhaus-Skating in Halle-Neustadt) ist die Galerie in einer überschaubaren Szene die erste, die außerhalb von Berlin oder München auftritt. Erkundungen im internationalen Architektur-Diskurs sollen sich die Waage halten mit Präsentationen aus der örtlichen Szene. Die finanzielle Basis ist breiter als die der Kunstgalerien, denn aus dem Baugewerbe finden sich Sponsoren, für die die Galerie eine Referenz sein kann.
Bittere Ironie
Es ist ein Mangel, den die Galerien beseitigen wollen - die geringe Sichtbarkeit junger Kunst in einer Stadt, in der Kunst hinter den Mauern der "Burg" oder innerhalb traditionsbefrachteter Gefüge stattfindet. Deshalb fällt auch die Vielfalt der Positionen auf, die jede der neuen Kunst-Orte vertritt - und mit einer erst allmählich weniger hektischen Folge von Ausstellungen verdichtet. Auch in einzelnen Veranstaltungen zeigt sich die Bereitschaft zum Experiment: Im "Ufo" war jüngst eine Performance mit neuer Musik von Torsten Pfeffer zu erleben, im "Raum Hellrot" die im Aquarium erzeugten "Erdklänge" von Heinz Barth - und das bei beachtlichem Publikumszuspruch.
Es entbehrt nicht einer bitteren Ironie, dass der Aufbruch der jungen Galerien und ihrer damit verknüpften Kunstszene vor dem Hintergrund einer Krise im etablierten Ausstellungsbetrieb stattfindet. Denn während in Halle eine Landesstiftung die Produzentengalerien päppelt, verschwindet das Urgestein der "Galerie am Domplatz", vormals "Marktschlösschen", aus dem städtischen Haushalt.
So hat es jedenfalls Ulrich Zeiner - als Galerist wahrlich ein gestandener Einzelkämpfer - in einem Schreiben an die Ratsfraktionen dargelegt. Nun ist die nur nominell vom Künstlerverband geführte Galerie eher eine Hüterin der überprüften, nicht selten auch der vergessenen Werte. Ginge sie unter, wäre das mit der Betriebsamkeit der jungen Galerien nicht zu übertünchen. Und für die wäre das Verschwinden einer Galerie, die nicht zuletzt ihren Vorgängern aus dem "Produzenten"-Spektrum der "Burg" einen Hort bietet, ein Menetekel: Die Abkehr der Stadt von der Kunst, die hier entsteht.


Auf großformatigen Aquarellen hat Oliver Goldacker Menschen jenseits der 80 porträtiert. Sein Bild einer Frau mit Kittelschürze beeindruckt besonders. MZ-Repro/ (Foto: Thomas Meinicke)





Fotografische Blicke aufs ferne Vietnam

VON CLAUDIA CRODEL , 9.7.2008

Halle/MZ. Wie sehen Kunststudenten das Leben in Vietnam? Acht Studenten der Fachrichtung Kommunikationsdesign der Burg Giebichenstein waren gemeinsam mit ihrem Professor, Rudolf Schäfer, für vier Wochen in dem fernen Land. Jeder Teilnehmer konnte sich selbstständig im Land bewegen. "Wir waren teilweise 2000 Kilometer voneinander entfernt", erzählt Schäfer. Unter dem Motto "Dong Chay", was so viel heißt wie "alles fließt", zeigen die Studenten nun Augenblicke ihrer Reise in der alten Druckerei hinter dem Christian-Wolff-Haus des Stadtmuseums. Ihr Fazit: Vietnam ist nicht irgendein Land, sondern eines, das durch den Krieg ein besonderes Schicksal erfuhr, auch wenn das heute im Alltag auf den ersten Blick kaum noch eine Rolle spielt, wie die Studenten berichten. "So unterschiedlich die Reisenden sind, so unterschiedlich sind auch die künstlerischen Ergebnisse", sagt Schäfer. Blicke in das öffentliche Leben, in das Pulsieren des Straßenverkehrs der Großstadt, an den Strand oder in den Dschungel finden sich dort. Student Hendrik Haase liefert beispielsweise eine Foto-Serie, in der er sich mit den typischen Speisen der Vietnamesen beschäftigt: von der gebratenen Hundepfote über die tägliche Suppe bis zum angebrüteten Ei. Seine Fotos liegen auf Podesten auf dem Boden. "Die Speisen werden dort alle auf dem Boden bereitet", begründet er. Und: "Ich habe nur das fotografiert, was ich auch selbst gekostet habe." Die Schau hat zwei Teile. Neben den Fotografien im Christian-Wolff-Haus stellt auch die Ufo-Galerie in der Adam-Kuckhoff-Straße Vietnam-Bilder von vier Studenten aus. Diese beschäftigen sich mit den Themen Tourismus, sozialistische Architektur, Religion und Jugend. Beide Ausstellungen werden heute eröffnet. Zur Vernissage im Stadtmuseum hat sich der vietnamesische Botschafter Tran Duc Mau angesagt. Im Hof des Museums wird zudem ein kleines Fest mit vietnamesischen Speisen gefeiert. In der Ufo-Galerie gibt es anschließend bis in die Nacht hinein Musik, Tanz und Karaoke. Eröffnung im Christian-Wolff-Haus um 19 Uhr, in der Ufo-Galerie um 21.30 Uhr.





Greisenalter im Fokus junger Kunst

Eindrucksvolle Ausstellung in der neuen «Ufo»-Galerie - Studentenprojekt das «Das dritte Ohr»
von Detlef Färber, 13.03.08

Halle/MZ. Buchstäblich wie ein Ufo ist Holger Neumaiers Galerie in Halle gelandet. Und wie ihr Name verrät, war genau das die Absicht des "Burg"-Absolventen, der sich zuvor schon mit einigen spektakulären Kunstprojekten einen Namen gemacht hatte. Nur 14 Tage nach ihrer Eröffnung und der ersten großen Ausstellung wird am Freitagabend in der Ufo-Galerie die Schau Nummer zwei präsentiert: eine ganz ungewöhnliche - zum Thema Alter. Genauer gesagt ist es das Greisenalter, das hier im Fokus steht - im Fokus von junger Kunst. Mittelpunkt der Schau ist ein umfangreiches Studentenprojekt. Es heißt "Das dritte Ohr". Studenten der Kunstpädagogik haben dafür über ein ganzes Semester mit Senioren des Altenpflegeheims "Haus der Generationen" gearbeitet. Das Besondere daran: Es ging dabei nicht darum, die Alten zur Kreativität zu ermuntern - nicht in erster Linie.
Vielmehr habe man über das gemeinsame Malen oder Gestalten Erinnerungen aktivieren wollen, um die dann ihrerseits künstlerisch zu verarbeiten, erläutert die Studentin Martina Löhle. Das Ergebnis davon sind ein Film, etliche - teilweise gemeinsam gemalte - Bilder, Hörbeispiele von Gedächtnisprotokollen der Studenten nach ihren Gesprächen mit den Senioren und eine reizvolle Arbeit, in der die Begegnung mit einer Seniorin wie in einem Comic erzählt wird.
Außerdem gibt eine Reihe von Fundstücken Anlass zum Staunen - oder Schmunzeln: So auch ein für die Schau gerahmter Zettel mit der Aufschrift: "Bitte morgen mal nicht so spät aufstehen. Wir wollen noch backen. Gruß Oma." Die Semester-Arbeit der angehenden Kunstpädagogen wird in der Ausstellung noch mit anderen Kunstwerken zum Thema ergänzt. Dabei gibt es zu dem oft tabuisierten Thema Erotik und Alter einen besonders eindrücklichen Beitrag mit dem Fotos und Texten der Leipzigerin Paula Muhr. Zur Ausstellung gibt es übrigens auch ein ansprechendes Begleitprogramm. Der Seelsorger Reinhard Feuerstätter spricht am 19. März (19 Uhr) zum Thema "Eure Alten werden Träume haben". Und für den 28. März (16 Uhr) wird zu einem "Tanztee" mit Schellack-Platten eingeladen.


Auf großformatigen Aquarellen hat Oliver Goldacker Menschen jenseits der 80 porträtiert. Sein Bild einer Frau mit Kittelschürze beeindruckt besonders. MZ-Repro/ (Foto: Thomas Meinicke)



Städtischer Kaufladen für den Kunst-Konsum

Im Gründerzeitviertel empfängt die neugegründete «Galerie Ufo»

von Günter Kowa, 03.03.08, 17:31h, aktualisiert 03.03.08, 18:44h

Halle/MZ. Der Name "Ufo" ist durchaus Programm, hat sich doch Halles jüngste Galerie mitten im gründerzeitlichen Wohnviertel niedergelassen. Dort gibt es zwar bereits manchen, der Kunst gewidmeten Raum, dieser aber will in den städtischen Alltag hineinwirken. Wie der zwirntragende Galerist sieht Holger Neumaier auch gar nicht aus, vielmehr tritt der "Burg"-Absolvent und Sohn eines Schwarzwälder Kaufladenbesitzers in die Fußstapfen des Vaters und zieht in einen längst untergegangenen "Konsum". Sogar das Schild "Waren des täglichen Bedarfs" hat er aufgestöbert und über die Eingangstüre gehängt.
Der Laden überblickt eine stille Kreuzung zweier Wohnstraßen. Gegenüber zählt eine alteingesessene Bäckerei auf ihre Stammkunden. Für die Galerie könnte das entsprechend das studentische Klientel der Gegend sein, das den nahgelegenen 24-Stunden-Edeka zur nächtlichen Kult-Einkaufsstätte gemacht hat. Wenn nun beim "Ufo" tagsüber auch im Freien Kaffee getrunken werden kann, was Neumaier einzurichten hofft, dann kommt er seinem Ziel näher, über Vernissagen hinaus mit Kunst "Teil des Lebens" zu sein.
Das muss er auch deshalb, weil er Erträge braucht. Die Kunststiftung Sachsen-Anhalt gibt über ihr Programm "Rent a gallery" zwar einen Sockelbetrag dazu, und die Hallesche Wohnungsgesellschaft zeigt sich bei der Miete entgegenkommend. Aber um tragfähig zu sein, will die Galerie auch Anlaufpunkt sein, Veranstalter und Kooperationspartner. Da passt das Abkommen bestens, das Neumaier mit dem "Theater der Welt" geschlossen hat. Wenn im Juni und Juli das Festival erstmals ein Publikum von weither nach Halle lockt, dann wird es auch das "Ufo" entdecken. Eine Gruppe von Performance-Künstlern will dort den einen öffentlichen Begegnungsraum für ihr Projekt "Escalator" einrichten.
Die Kunst als Intervention im urbanen Raum verstehen, will Neumaier auch sonst mit seinem Galerie-Konzept. Insofern ist er konsequent, wenn er sein Programm mit der Thematik der "Schrumpfenden Städte" beginnt. Die Beiträge dazu sind wie der Titel "aufbau.OST" nicht neu, aber sie erinnern daran, dass mit dem stillgelegten S-Bahnhofsgebäude in Halle-Neustadt schon mal ein dauerhafter Austragungsort entsprechender Debatten geplant war. Eine groß aufgezogene Pappkulisse zeigt die Kombattanten einer Diskussion, die der vorgeblichen Einrichtung einer an China vergebenen "Sonderwirtschaftszone Halle-Neustadt" gewidmet war. Angesichts unaufhaltsamer Abwanderung erscheint die Ironie gar nicht mehr so unplausibel. Daneben ist das Video "reale reste" der Berliner Künstlergruppe "Bankleer" zu sehen, eine reichlich morbide Endzeitvision über Ausgestoßene der spätkapitalistischen Gesellschaft, außerdem ein Modell der halleschen Architektengruppe "complizen", das Hochhäuser als Stätten massentauglichen Freizeitsports zeigen will. Angekündigt sind ein Projekt mit alten Menschen und ihrem Umgang mit Kunst sowie ein Besuch in der Parallelgesellschaft der Vietnamesen in den Städten Mitteldeutschlands.


Holger Neumaier vor einem Schaustück der Ufo-Galerie (MZ-Foto: Günter Bauer)



ufo ist gelandet - Neue Galerie in der Kuckhoff-Straße

Eröffnung
von Sebastian Krziwanie, 19.03.

Halle/FRIZZ.Anfang Januar, es war am frühen Abend, verwandelte sich eine Kreuzung in einen Tannenwald. Nicht, dass hier eine Weihnachtsbaumsammelstelle eingerichtet worden wäre. Nein, wohl geordnet und vom Scheinwerferlicht erhellt, standen sie da, zwischen Litfasssäule und Telefonzellen. Und Holger Neumaier dienten sie als Fotomotiv für seine neue Galerie ufo.

Gut anderthalb Jahre hat es nun für ihn gedauert, bis er seinen Traum von einer eigenen Galerie verwirklichen konnte. Dabei suchte er anfänglich nur nach einen Büro für sein Kunstbüro Fruehtau, welches er zusammen mit Holger Penzel betreibt. „Daraus entstand letztendlich die Idee, eine eigene Galerie aufzumachen“, erklärt Neumaier. „Das ufo soll eine Galerie für Bildende Kunst im Kontext sein. Das heißt, ufo stellt den Kontakt her zu fremden Welten, Grenzbereichen der Kunst und Verbindungen von Kunst und Nicht-Kunst.“
Wem dies nun zu hoch ist, dem sei gesagt, das ufo ist angesiedelt zwischen kommerzieller Galerie, Produzentengalerie und Veranstaltungsraum. Grundsätzlich geht es Neumaier um die Aktivierung eines Kunstmarktes in Halle. „Obwohl das Potential vorhanden ist, existierte ein solcher hier bisher nicht.“
Neben dem Galeriebetrieb soll sich das ufo – mit nachmittäglichem Cafébetrieb und unterhaltsamen Abendveranstaltungen – zu einem Treffpunkt einer agilen Halleschen Kunstszene entwickeln. Dabei ist es Neumaier wichtig, dass die Veranstaltungen und Ausstellungen in kurzen Abständen durchgeführt werden. „Nichts ist schlimmer, als ein Publikum, das sich satt gesehen hat. Wer hier her kommt, soll so oft wie möglich neue Künstler sehen.“
Um auf den 108 Quadratmetern eine gemütliche Atmosphäre für Kunst entstehen zu lassen, mussten Neumaier und viele seiner Freunde in den letzten Monaten hart arbeiten. Die Räume der Galerie in der Adam-Kuckhoff-Straße 30 waren mehr als sanierungsbedürftig. Zur Eröffnung Ende Februar sollte aber alles fertig sein. Bis zum 9. März ist dann noch die Ausstellung „Aufbau Ost“ zu sehen, bevor am 15. März die Schau „Das dritte Ohr“ beginnt.
Die Grundlage für „Das dritte Ohr“, die von Studierenden des Fachbereichs Kunsterziehung / Kunstpädagogik unter Leitung von Jan Apitz konzipiert wurde, bildet das Kunstvermittlungsprojekt „Hörzu“, das seit 2005 in Kooperation mit dem Alten- und Pflegeheim der Riebeckschen Stiftungen entwickelt worden ist. Die vorgestellten Positionen zeigen künstlerische Auseinandersetzungen mit dem Alter und reichen von der reinen Beobachtung bis hin zu gemeinsam mit den Seniorinnen im Projekt erarbeiteten Ansätzen.




ufo landet in Adam-Kuckhoff-Straße


Galerieeröffnung
von Steffen Sauer, 22.02.2008
www.Halle-Forum.de



Medienkunst statt Wurst und Brötchen in früherem Tante-Emma-Laden

Das die Kunstszene in Halle sehr ausgeprägt ist und immer weiter wächst hat sich am Freitagabend in der Adam-Kuckhoff-Straße einmal mehr bestätigt. Die hallesche Galerieszene ist um einen Ort gewachsenen. In einem Eckgeschäft - dass die letzten Jahre als Tante-Emma-Laden sein Dasein fristete und anschließend leer stand - eröffnete die Galerie "ufo".

Das erste Ausstellungsprogramm könnte für diesen Ort nicht besser gewählt sein: "aufbau.Ost". Das Programm untersucht die ökonomischen Zwänge und deren Auswirkung auf die Gesellschaft Ostdeutschlands. Die Ausstellung versucht zu verdeutlichen, dass Leerstand und Verfall nicht immer negative und Aufbau nicht immer positive Effekte hat.

Die Galerie ufo versteht sich als Bindeglied zwischen den Bereichen Bildende Kunst, Musik, Video- und Hörkunst. Um dieses Ziel zu erreichen sollen Ausstellungen, Abendveranstaltungen und Projektarbeiten. Die Galerie ist nach eigenen Angaben angesiedelt zwischen kommerzieller Galerie, Produzentengalerie und Veranstaltungsraum. Die ersten Veranstaltungen sind auch schon fest im Programm. Im ersten Halbjahr 2008 soll es Einzel- und Gruppenausstellungen geben. Eingeladen sind dazu Künstler aus Berlin, Braunschweig, Jena und Halle.





Außerirdisch

Das neue Galerie-Projekt UFO kümmert sich um künstlerischen Nachwuchs
von Stefan Schwarz, 20.02.08

Halle/MZ-AHA. Sie sind unter uns. Das UFO ist unbemerkt gelandet. Ihre Mission ist es, die Kunst und Kultur in Halle auf ein neues Level zu heben. Doch wer sind sie? Hinter UFO verbirgt sich das Kunstbüro Fruehtau aus Halle. Dessen Besatzung, dem Kunstwissenschaftler Doktor Joachim Penzel und dem Künstler Holger Neumaier, ist die Landung des unbekannten Flugobjekts zu verdanken. Das UFO selbst ist eine Galerie in der Adam- Kuck hoff-Straße 30. Am 22. Februar öffnet sie ihre Tore mit der Ausstellung „Aufbau.Ost“. Gezeigt werden vier künstlerische Positionen zur gesellschaftlichen Umgestaltung Ostdeutschlands nach der Wende.
Das Ziel der Gründer ist es einen Ort zu schaffen, an dem bildende und performative Kunst sowie Präsentationen in einer entspannten Atmosphäre zusammenfinden. „Schwerpunkt werden Medienkunst, Fotografie und transdisziplinäre Kunst sein. Reine Grafik, Malerei oder Bildhauerei und L’art pour L’art wird man sicherlich seltener im UFO sehen. „Ausgeschlossen soll aber auch das nicht sein“, erläutert Initiator Holger Neumaier das Ausstellungskonzept. Während der Ausstellungen sind Veranstaltungen wie „Youtube“-Abende geplant. Zudem versprechen die Macher, die Ausstellungseröffnungen zum Happening werden zu lassen.
Geht es nach ihnen, soll UFO zum Zentrum einer „Megakunstatombombenexplosion“ in Halle werden. Wenn das nicht außerirdisch klingt. Zu Beginn des Projekts standen drei Fragen: „Wo kann man in Halle regelmäßig spannende zeitgenössische Kunst sehen? Wo können junge Künstler in Halle ausstellen? Wo verbindet sich in Halle ernstzunehmende Kunst mit unterhaltsamer Inszenierung und urbaner Lebensfreude?“ Zu keiner Frage fielen Neumaier und Penzel passende Antworten ein. Warum also nicht eigene Lösungen schaffen? „Sachsen- Anhalt hat ja im Gegensatz zu Leipzig oder Berlin keinen relevanten Kunstmarkt und gerade junge Künstler finden keine wirtschaftliche Basis, um hier zu arbeiten“, so Neumaier.
Das UFO-Projekt soll dazu dienen, eine Infrastruktur für Künstler zu schaffen. Denn nur wer sich präsentieren kann, hat die Chance auf Erfolg. Das gilt natürlich besonders für Absolventen der Kunsthochschulen. Das UFO will hier als Schnittstelle fungieren. Überzeugt vom Konzept zeigte sich auch die Kunststiftung Sachsen- Anhalt. Sie nahm das Projekt im Oktober in ihr Förderprogramm „Rent a Gallery“ auf.